Norwegen und Finnland
August bis November 2022
Januar 2023
Nun habe ich mich fast 2 Monate mit den Bildern beschäftigt, die besten ausgewählt, einen ausführlichen Text geschrieben und ihn als Vortrag vor 150 (zahlenden) Personen gehalten. Die Reise hallt immer noch intensiv in mir nach und viele Gespräche drehen sich darum, wenn nur eine kleine Frage gestellt wird. Leider ist das Knie noch nicht wieder voll einsatzfähig. Trotzdem geht der Blick aber auch nach vorn: ich lese über Italien. Einen kleinen online-Italienisch Kurs habe ich sogar angefangen. Die Reiseplanung ist begonnen, aber noch nicht perfekt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kommt der Sohn diesmal nicht mit. Leider ist die Tochter noch nicht so weit. Die Vorfreude aber wächst: Italien ist ganz anders, hat weniger Wanderer, kein Jedermannsrecht und sicher weniger trinkbares Flusswasser. Ihr werdet auch davon genauer hier lesen.Vortragstext
Ihr könnt das hier lesen und Euch dazu die Bilder anschauen. Die Bilder haben natürlich auch wieder Bildunterschriften, die ein bisschen was über die Bilder sagen. Die Zeilenumbrüche stehen dann für einen Bildwechsel.
Nach 30 Jahren am Schreibtisch - im Studium oder im Job - war mal Bewegung angesagt. Nach 30 Jahren mehr oder weniger Pendeln zwischen Ost und West: von der Uckermark über Westfalen bis Spanien, war die Nord-Süd-Achse dran. Als die Flüchtlinge auf eben dieser Route von Süden nach Norden kamen, fasste ich den Entschluss dieser historischen Route nachzugehen: Die Wikinger eroberten von Norden aus den Süden, die Araber brachten den Europäern auf dieser Route die Ziffern und die Römer den Barbaren die Manieren bei. Ob nun die Pizza von Goethe nach Italien oder von Italien nach Hessen gebracht wurde wollte ich ergründen. Nun bin ich seit mittlerweile 7 Jahren auf der vertikalen Achse Europas unterwegs und habe viel erlebt. Hier nun der Bericht über die Erlebnisse auf dem nördlichsten Abschnitt, nördlich von Trondheim.
Der europäischen Fernwanderweg E1 führt vom Nordkap bis Sizilien. Ich möchte Euch von meiner Wanderung auf dem nördlichsten Abschnitt erzählen. Hier liegen und überschneiden sich 4 Wanderwege: die norwegischen Nordkalottleden und der Nordlandsruta, und Teile davon sind der Kungsleden und der Padjelantaleden. Der Weg führt hier ca. 70 km durch Finnland, ca. 150 km durch Schweden und die restlichen über 1000 km durch Norwegen, meist nahe der Grenze zu Finnland oder Schweden. Ich bin in 10 Wochen eine Strecke von ca. 1300 km gewandert und habe dabei mehr als 40 Höhenkilometer gemacht. Am Ende gibt es einen dramatischen Abschluss, dazu später mehr.
Allein die Anreise ist ein Abenteuer. Ich bin mit meinem Sohn zunächst mit der Bahn zur nördlichsten Station Norwegens in Narvik gefahren
und dabei schon die ersten imposanten Ausblicke auf Berge und Bergsee genossen
und dann noch mit einer Schwester der Hurtigruten auf dem Ozean bis zum Ort Honningsvåg auf der Insel Magerøya.
Auf der Strecke liegt noch die Stadt Tromsø mit einem beeindruckenden Fels am Ende der Seilbahn, mit fantastischem Blick über Stadt und Fjord.
Vor allem sieht man bei der Fahrt schon die schroffe, schöne, beeindruckende Landschaft aus spärlich begrünten Bergen (Tundra) und natürlich vielen Wasserfällen.
Am Nordkap angekommen, trafen wir gleich auf die Ureinwohner Nordskandinaviens: Die Samen, die zum Teil mit Rentierzucht, Fischerei und Jagd ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie erhalten ihre Traditionen aufrecht - ein Weltkulturerbe - und das lange Zeit auch gegen die Unterdrückung durch die anderen Skandinavier aus dem Süden: egal ob Finnen, Schweden oder Norweger. Erst in den 1970iger Jahren wurde ihnen die Rechte und Anerkennung als eigenes Volk zugesprochen. Heute kämpfen auch sie mit den Folgen des Klimawandels: die Rentiere müssen im Winter zugefüttert werden und das wird sich leider nicht mehr lange lohnen.
Wir aber genossen zunächst sommerliche Ausblicke auf Barentssee und Nordkap,
trafen die erste Silbermöwe
entdeckten aber auch überraschende Details, so wie diese südlich anmutende kegelförmige Schnecke.
Wir erfreuten uns auch an der vielfältigen, freundlichen, farbenfrohen und detailverliebten Architektur,
schliefen selbst die ersten Nächte meist in unserer einfacheren Behausung. Unser Zelt ist sehr leicht und sehr klein: wir konnten zu zweit darin schlafen, nur es blieb kein Platz mehr für die Rucksäcke. Da man in Skandinavien keine Sorge vor Dieben haben muss, sich im Sommer weder Bären, Wölfe noch Vielfraße zu den Menschen verirren, lagerten wir die Rucksäcke unter meinem Tarp.
Beim Wandern nimmt man die Landschaft natürlich viel aufmerksamer wahr und behält den Blick für verborgene und faszinierende Schönheit. Hier z.B. eine Art Sonnentau, die ich genauso wenig hier erwartet hatte. Wir haben Mückenschwärme erlebt und wurden auch viel gestochen – aber sind das genug, den Sonnentau zu füttern?
Wir sahen die ersten beeindruckenden Flüsse vor schickem Bergpanorama.
Wir müssen kurz über unser Abendessen reden. Das ist ein Steinpilz, der hier wirklich sehr häufig vorkommt. Man muss sie wirklich nicht suchen – nur sammeln. Dieser ist natürlich noch viel zu klein und viel zu hübsch.
Der Weg ist meist gut markiert, aber mitunter mühsam: hier muss über herumliegende Baumstämme gestiegen werden. Sehr oft ist es sehr feucht: mal morastig, mal sumpfig.
Das mag zum Bsp. der hübsche kleine Bläuling auf der schönen Goldrute.
Die Rast ist 2 Sätze wert. Sie ist sehr wichtig. Ich mache spätestens alle 2 Stunden eine ausführliche Pause, Fotosession zusätzlich. Zu zweit ist die große Herausforderung, jemanden zu finden, der den gleichen Rhythmus, die gleiche Kondition, das gleiche Tagespensum, eine ähnliche Geschwindigkeit und ähnliche Interessen hat. Mit meinem Sohn hat das gut geklappt und trotzdem habe ich es wieder sehr genossen, als er abgereist war, wieder allein zu wandern.
Wovon ist man nun erschöpft: über 20 kg Gepäck, jeden Tag 20 km weit, bis zu 1000 Höhenmeter durch anstrengendes Geläuf zu tragen. Hier sieht man noch eine besondere Herausforderung insbesondere in Norwegen: Flüsse furten. Im August sind die meisten Flüsse gut passierbar: der Schnee ist geschmolzen, es regnet nicht so viel. Dennoch waren ein paar unangenehme Flüsse dabei.
Goethe hat gesagt, man hat nur gesehen, was man zu Fuß durchschritten hat. So haben wir diese Raupe eines Nachtpfauenauges entdeckt.
und das Mädesüß
und das sibirische Schafgarbe.
Sonnenuntergang an der Mollesjohka Fjellstua.
Und auch die kleinen Blüten der Moosheide fallen einem nur zu Fuß auf,
Klingt schön und sieht gut aus: der Goldregenpfeiffer.
Oder die abgelegenen imposanten Wasserfälle.
Leckerer ausgewachsener Birken- oder Steinpilz.
Augentrost
Eine Knäkente bei Kautokeino.
Feucht-fröhliche Landschaft am Nordkalottsleden zwischen Kautokeino und Reisadalen.
Das ist das mich sehr beeindruckende Reisadalen, ein spektakulärer waldreicher Nationalpark an der Grenze zu Finnland,
mit – Überraschung - vielen Wasserfällen (Imofossen),
und wieder faszinierenden Details wie diesen Flechten mit Ihrem Freund, dem Pilz (links).
Imposant sind diese Felsformationen: ich ging durch das idyllische Tal, am Fluss entlang,
sah so manch kleine zur Rast oder Ruh einladende Hütte
und sah (und hörte) immer wieder Wasserfälle (Mollisfossen) mit Fallhöhen von insgesamt 269 m und 140 m freier Fall. Hier sieht man noch einen Rastplatz, der nur mit dem Boot zu erreichen ist.
Sedimentgesteine sind auf dem Grund des großen Urmeeres aus Ablagerungen der verstorbenen Schalentiere entstanden und bei der Entstehung der Gebirge gefaltet und emporgehoben worden. Versteinerte geologische Zeitgeschichte.
2 Tage nach dem Reisadalen erreichte ich die finnische Grenze, die skandinavisch mit solchen Steintürmen markiert wird. Im Hintergrund ist der höchste Höhenzug Finnlands mit dem Halti, DEM finnischen Pilgerberg zu sehen, den täglich ca. 20 Finnen besteigen.
Die Finnen sind fürsorglich: wo die Norweger und Schweden nur Hinweise haben, dass man doch bitte seinen Müll mitnehmen möge, haben sie eine umfangreiche Mülltrennung selbst in den entlegensten Hütten implementiert. Die Landschaft in Finnland ist hier sehr steinig, ansonsten alles wie gehabt: baumarme Tundra mit Kriechsträuchern, vereinzelt stehenden Samihütten, viel Wasser und weite Ausblicke.
Oft gibt es hier im Norden spannende Wetterwechsel zu beobachten: von prasselnden Regen zu wärmenden Sonnenschein und wieder zurück in wenigen Minuten.
Schwedisch-finnisches-norwegisches Dreiländereck: dreifach schön.
Hier gibt es viele Nationalparks. Dennoch ist dieses Bild noch außerhalb, nördlich vom Øvre Dividalen aufgenommen: die Rostahytta (hinten rechts) am Rostaelva.
Anfang September dann der erste Nachtfrost. Die Blaubeeren sind hier sehr lecker und zahlreich. Kaum von der Blaubeere zu unterscheiden ist die Rauschbeere, sie soll bei übermäßigen Verzehr zu „rauschartigem Zustand“ führen … und ich dachte, es wäre die Landschaft.
Oft am Wegesrand und als Feuchtigkeitsanzeiger: Wollgras. Irgendwann habe ich kapiert, dass man da, wo das Wollgras wächst, auftreten kann und nur bis zum Knöchel, statt wie sonst bis zur Hüfte im Morast oder Sumpf einzusinken.
Die Feuchtigkeit lieben natürlich verschiedene Pflanzen, wie das exotisch anmutende Sumpf-Herzblatt.
Das Wasser war in den Bächen und Flüssen auch in den Seen sehr klar.
und im Gebüsch singt der Berghänfling
… und am Ufer blüht der Rotklee …
… und im Strauch sitzt ein gewöhnlicher Spatz: am Kungsleden in Schweden.
Der Kungsleden ist ein Beispiel dafür, dass zu gutes Marketing auch Nachteile haben kann: das Hotel des schwedischen Wandervereins in Abisko ist das größte Schwedens, der Kungsleden hier sehr überlaufen. Mitte September schließen die Hütten und es wird ruhiger. Ich bin Anfang September nur eine Tagesetappe auf dem Kungsleden gelaufen: schön war es trotzdem.
… und herbstlich: der goldene Herbst hat Einzug gehalten …
… und die Berge im Hintergrund sagen nicht, ob sie Schnee vom vergangenen Winter oder schon neuen von diesem Jahr auf ihren Häuptern tragen …
Ich hatte ja schon vom Furten berichtet. Beim Furten muss man durch den Fluss waten, sich auf seine Füße verlassen, sich auf seine Stöcke stützen, das Gleichgewicht halten. Beim Überqueren solcher Brücken muss man sich auf andere verlassen und genauso vorsichtig wie durch das Wasser gehen. Es gab Brücken, da wäre mir Furten lieber gewesen.
Die ganze Aufmerksamkeit fordern auch auf den wiederkehrenden Geröllfeldern. Links sind noch zusätzlich die Steinmännchen mit ihren roten Flecken als Wegmarkierungen zu erkennen.
Und immer erhält man unerwartet überwältigende und wunderschöne Ausblicke. Hier auf die schwedischen Berge mit dem Kebnekaise (rechts).
Und auch Norwegen hat hohe, schöne Berge in schroffer und bizarrer Schönheit …
… und auch Gletscher, die immer einen sehr eisigen Wind übers Tal wehen ließen. Das war meist ein Grund die Kleiderordnung zu überarbeiten: Handschuhe an, Jacke schließen, Reißverschlüsse für die Kühlung an den Wanderhosen zu ziehen. Ich hatte eine warme Unterhose mit – diese aber nur einmal zum Schlafen an. Das wärmere meiner langen Unterhemden hatte ich bis zum Schluss gar nicht an.
Auch diese Gesellen frieren nicht: Alpenschneehühner. Hier typische Wanderhütten des DNT – norwegischen Wandererverbandes. Kann man es erkennen?: In der rechten Hütte ist die Sauna!
Ich hatte nie Nahrungsmangel: zum einen hatte ich meine Einkäufe gut geplant, etwas mehr getragen, als ich brauchte, außerdem in den Hütten manchmal Reste gefunden und unterwegs Blaubeeren, Preiselbeeren, Steinpilze oder eben die legendäre Moltebeere gefunden. (Padjelanta)
Er sucht keine Beeren: der Steinadler.
Bei den vielen Flüssen, die man entlang wandert oder überquert sieht man mitunter auch interessante Formationen: hier hat der Fluss 2 Steine auf der Stelle gedreht und diese sich in den felsigen Untergrund gebohrt. Der Stein im tiefen Loch wurde dabei abgetragen und fortgespült, der Stein im kleinen Loch ist klein aber noch da.
Schon bei meiner Reise durch Schweden habe ich Elche gesehen – wenn auch viel seltener als gehofft. Das hier war mein 2. norwegischer Elch. Die meisten habe ich aber zum Ende aus dem Auto gesehen. (Padjelanta)
Was in Finnland Lappland heißt, heißt in Schweden Laponia und ist Weltkulturerbe.
Bis dahin habe ich mich auch an den kleinen exotischen Blumen am Wegrand erfreut: hier die Alpen-Pechnelke.
… oder der auch Bauernorchidee genannte Blüte des „Drüsigen Springkrauts“ (Ende Nordkalottsleden und Beginn Nordlandsruta)
… ganz Norwegen ist eine Kulturlandschaft, vom Menschen verändert. Dieser versteinerte Baumstamm könnte ein Beweis sein, dass es hier vor langer Zeit viel mehr Wälder gab.
Auch ohne Wald entstanden über den verdeckten Seen Tiefnebelfelder, die Wolken ähneln und im Tal nicht abziehen konnten und dadurch eine beeindruckende Kulisse bildeten.
Die Wasserfälle blieben für mich bis zum Schluss reizvoll und fotogen.
Manchmal war ich nicht sicher, bin ich das nun Himmel oder Wasser. Hier verschmilzt alles beeindruckend zusammen.
Im Junkerdalen (Nordlandsruta), ein weiterer der unzähligen Nationalparks hier oben im Norden, hat Thor mit seinem Hammer gewütet. Schick sieht‘s aus.
Auch mit Sonne sieht das Junkerdalen toll aus.
Nach den vielen Naturaufnahmen will ich einmal das innere einer Hütte zeigen. Das ist die Bolnastua: eine Vorzeigehütte mit gemütlicher Sitzecke (Kamin), Kochecke, Kühlschrank (so was war nur in 3 Hütten vorhanden), Spülecke und anschließenden Schlafraum.
Wenn ich Zeit hatte, habe ich mal mit der Langzeitbelichtung einen Wasserfall fotografiert.
Sehr häufig liefen mir Rentiere über den Weg: selten allein, oft in Gruppen von 3 bis nahezu 50.
Schroffer Berg hinter der Sauvasshütte.
Menschen tragen im Herbst Wollmützen, Berge Wolkenmützen.
Eines Morgens fühlte ich mich beobachtet: von dieser Sperbereule.
Der Sonnenaufgang ist nun so spät, dass ich ihn beim loswandern noch fotografieren kann.
Hier das Spjeltfjelldalen: trotz Nebel kann man erahnen, wie schön und imposant der Ausblick auch noch im Spätherbst darauf ist.
Meiner Meinung nach eine Wolfsspur: es waren keine Menschenspuren zu sehen, so dass ich nicht von einem Hundespaziergang ausging. Außerdem habe ich das Tier nicht gesehen, was auch eher für Wolf als für Hund spricht.
Und dann kam der erste Schnee: auf dem Weg auf einen Pass machte ich meine erste Rast im Schnee. Auch hier war es nicht kalt, höchstens feucht.
Und auch die Orientierung war noch gut, da die Markierung auch bei Schnee sichtbar bleibt.
Schwierig waren die letzten 3 Tage: die Gegend ist ohne markierte Wege und ich musste selbst suchen wo es lang geht, an nicht erklimm-baren Felsen umkehren, um unpassierbare Wasser herumgehen.
Ich benötigte die 3fache Zeit wie sonst und musste zu guter Letzt irgendwo an der nahezu höchsten Stelle, auf unwirtlicher kleinen Fläche, mein Zelt aufbauen. Der Wind war unangenehm stark hier oben, aber ich schlief – wie immer – aufgrund von Erschöpfung sehr gut. Zum Schluss stellte sich eine große Müdigkeit ein: ich war müde jeden Tag faszinierende Schönheit zu sehen, ich war müde weiter zu planen, ich war müde meine Liebsten nicht zu sehen. So beschloss ich direkt zur nächsten Straße zu gehen, um abzubrechen. Leider verkannte ich völlig die steilen Wände des Kerbtals Sanddøldalen. Weil ich unaufmerksam, ungeduldig, übermütig und draufgängerisch war, rutschte ich auf nassem Gras aus, fiel, überschlug mich und blieb mit kaputten Knie 30 m tiefer liegen.
Der Hubschrauber kam 2 Stunden später, um mich zu retten.
9. November: Nachgedanken
Zu dem heutigen Datum passt das Buch, dass ich in Norwegen gefunden, gelesen und dann meiner Tochter im Päckchen geschickt habe. "Sternkinder" von Clara Asscher-Pinkhof. Es beschreibt die Verfolgung der Juden aus Sicht der Kinder: naiv, traurig, aber auch klar und brutal. Ein Kinderbuch, aber auch dringend lesenswert für Erwachsene, die Kinder haben oder Kinder schätzen.Auch Norwegen hat furchtbar unter der Naziherrschaft gelitten: viele Ortschaften wurden niedergebrannt. Im zweiten Weltkrieg hat Norwegen nicht wie Schweden keine neutrale Rolle eingenommen. Andererseits wollte Hitler den Nordatlantik kontrollieren. Ich muss zugeben, mir war immer bewusst, dass Deutschland Polen und Frankreich und auch die Sowjetunion stark zerstört hat. Der Norden war - wie so oft für mich - ein blinder Fleck. Auch Finnland ist stark betroffen. In beiden Ländern haben sich Untergrundkämpfer gesammelt und sind in Partisanenkämpfen gegen die Besatzer vorgegangen - und dabei oft gestorben. Dennoch waren die Norweger nie schlecht auf "uns" Deutsche zu sprechen. Alle, die ich darauf ansprach, waren sich der Geschichte sehr bewusst, hatten alle auch immer ein konkretes Ereignis im Kopf, wo meist auch Familienmitglieder ihrerseits beteiligt oder sogar gestorben waren.
Und noch was ganz anderes. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das Wandern bis zum Schluss genossen habe, aber eben zum Schluss eine gewisse Reizüberflutung erlitten habe. Es waren zu viele - wenn auch nur gute, positive, beeindruckende - Eindrücke und Einblicke und Erlebnisse. Damit war ich einfach an meiner Aufnahmekapazität angelangt. Ich hatte mir schon vorher gesagt: ich "muss" diese Wanderung nicht machen, ich mache sie nur so lange wie ich Spaß daran habe, es genieße und ich mit allen Sinnen dabei bin. Da war ich nun am Ende nicht mehr. Da das nach ziemlich genau 10 Wochen war und ich in Schweden nur 8 Wochen gewandert bin, habe ich für mich entschieden, die kommenden Touren auf maximal 8 Wochen zu beschränken. Interessanterweise habe ich das bei der Planung der Wanderungen in 2023 schon vor der Norwegenwanderung so gemacht. Nun fehlen in Norwegen/Schweden noch 45 Wandertage, mit ein bisschen Puffer also 8 Wochen.
Jetzt muss mein Knie nur noch heilen. Und dann müssen sich entweder die Ärzte noch einig werden: die einen prognostizieren 3 Monate, andere 6 Monate und die düsterste Aussicht lautet sogar 9 Monate bis zur Heilung. Oder ich sage "grau ist alle Theorie" und schaue auf mich und meinen Körper. Ich bin aber zufrieden und kann schon immerhin mit 2 Krücken und 2 Füßen in einem nahezu natürlichen Bewegungsablauf gehen.
30. Oktober: Rückmeldung vom Mann
Ich bin's. Zurück auf dem Sofa in der Eifel. Mir geht es gut: auch wenn das Ende dramatisch war, überwiegt die Freude über 72 Tage phänomenale Norwegen-Finnland-Schweden-Wanderung, über mehr als 1320 km erwanderte, faszinierende Wegstrecke, ungezählte spannende Begegnungen mit tollen Menschen, ein dichtes Netz von komfortablen DNT-Hütten, ergänzt um private Unterkünfte und natürlich jede Menge spektakuläre Wildcampingplätze. Es ist wie nach der Schwedenwanderung: ich bin so voll von den Erlebnissen und weiß nicht wo ich anfangen soll. Nur das Norwegen noch wilder, abenteuerlicher, unberührter, schroffer und ja: krasser ist.Ich bin sehr froh, diese Reise gemacht zu haben. Auch mit dem Ende mit der leider wirklich schweren Knieverletzung. Aber ich bleibe mal chronologisch: Die Anreise war, wie erwartet, ein Abenteuer für sich. Mein Sohn begleitete mich, wir sahen innerhalb von weniger als 24 Stunden sowohl Kopenhagen, als auch Stockholm. Danach waren es noch immer 18 Stunden Zugfahrt bis zur Endstation Narvik (Norwegen). Dabei führt die Reise ca. 95% über schwedisches Gebiet: Wald, Wasser, Hügel. Erst zum Ende kamen die Berge und die meisten Wanderer stiegen beim Kungsleden aus. Wir dagegen nahmen an der Endstation den Bus zu unserem Fähranlegerhafen: Harstad und schliefen im Tarp auf der Wiese vor der Kirche. Wobei mein Sohn so fasziniert von der Fast-Noch-Mittsommernacht war, dass er erst gegen 2 Uhr ins Bett gegangen ist und dem Schauspiel der sehr kurzen Sonnenabwesenheit über dem Fjord noch lange begeistert zu sah.
Am nächsten Morgen nahmen wir die Fähre, um zum Nordkap zu gelangen, bei einem Landgang Tromsø kennenzulernen und dieses und jenes "nördlichste(r/s)" zu bestaunen. Danach wanderte ich 3 Wochen mit Sohn und noch weitere 7 Wochen ohne. Ich war nie ganz verlassen, aber schon mal allein. Nie war ich hungrig, aber der Rucksack nach der Vorratsaufnahme für bis zu 15 Tage bis zu 27 kg schwer. Es gab Gelegenheit mit freiem Oberkörper auf der Terrasse zu sitzen, aber auch mal 4 Lagen Kleidung zu tragen und den Wind immer noch zu spüren. Ich bin beim Fluss queren ins Wasser gefallen, stundenlang über Geröllfelder balanciert, habe mich durch meterhohe Schneeverwehungen gekämpft und bin auch durch Sumpf und Morast gestapft.
Meistens bin ich gut markierten Wegen, die dennoch oft eine Herausforderung waren, gefolgt. Ich habe auf einer 30 km langen Tagestour auch noch 1000 Höhenmeter Anstieg überwunden. Ich habe Elche gesehen und einen ordentlich fotografiert, den Vielfraß in der Dämmerung dagegen nicht. Vielen Vögeln bin ich begegnet, aber weder Bär noch Wolf. Ich habe unverhofft variantenreiche Flora bewundert, mich an Blaubeeren, Moltebeeren und Preiselbeeren gütlich getan und mehrmals ein großes abendliches frisch gesammeltes Steinpilzgericht genossen.
Und nicht zu vergessen habe ich viele spannende Menschen getroffen: ich habe sogar spanisch und russisch Konversation gepflegt, meist aber englisch oder deutsch. Die Norweger lernen Deutsch in der Schule und jeder konnte mindestens 2 Sätze zu mir sagen. In Englisch sind mir nahezu alle Norweger überlegen. Aber es sind eben besonders viele Deutsche (auch Österreicher und Schweizer) unterwegs: ein so urtümliches Land, fast so groß wie Deutschland, aber nur ein sechzehntel der Einwohner übt eine große Faszination und Anziehungskraft auf uns aus. Ich traf sogar eine Berlinerin, die genervt von den vielen Wanderern war: suchte sie doch Ruhe und Abgeschiedenheit auf einem sehr abgelegenen Wanderweg irgendwo zwischen Schweden, Finnland und Norwegen.
Erwähnenswert sind noch die Jäger, die mit geladenen, aber gesicherten Gewehren durch die Landschaft schreiten. "Heute noch 9 Elche", war das Gefährlichste was sie raunten.
Und dann gab es den Rettungshubschrauber, der auf der Suche nach dem verlorenen Jäger bei unserer Hütte landete, oder die Geschichte vom gebrochenen Bein, an einer schwer zugänglichen Stelle, dessen Besitzer nach 52 Minuten abgeholt wurde und ein Jahr später in der selben Gegend die Wanderung mit einer implantierten Titanplatte fortsetzte.
Meine Rettung erfolgte im Gebiet ohne markierte Wege und auch mit einem Hubschrauber: spektakulär und mit grandioser Aussicht über ein für mich unbezwingbares Tal. Sie dauerte mehr als 2 Stunden. Danach kam die Wahrheit scheibchenweise ans Licht: ein kleiner Bruch an der Seite des Oberschenkelknieknochens, dann im MRT das gerissene vordere Kreuzband mit Knochenabriss und zuletzt noch der gerissene Meniskus. "Unglücklicher Dreier" heißt das medizinisch (Wer genau denkt sich solche Namen aus?). Ich hatte Glück: Es hätte noch die Außenbänder erwischen können. Vor allem hätte weder mein Genick, noch der Schädel die Gewalteinwirkung überstanden. Also gute Nachricht: in 12 Wochen bin ich wieder gehfähig. Jetzt besuche ich wohl im 3-Tages-Rhythmus Ärzte, Physiotherapeuten und Apotheken. Ich bin in guten Händen.
Wenn ich Ruhe habe, blicke ich zurück: was war das für eine überwältigende Reise. Ich schaue die Bilder an, erinnere, lösche, wähle aus. Ihr müsst Euch noch ein bisschen gedulden, bis ich eine Auswahl hochlade: es sind über 2500 Bilder, die ich niemand im vollem Umfang zumuten möchte.
Und dann ist da noch etwas: der Unfall ereignete sich nicht auf "meinem" Wanderweg. Ich hatte schon am letzten Morgen entschieden, abzubrechen. Ursache war die Unkalkulierbarkeit der weglosen Etappen, das aus dem Rhythmus geraten Sein beim Umtrampen des Børgefjells, die 2 viel zu gemütlichen Nächte im Hotel, die 2 sehr feuchten Nächte im Zelt, die Sehnsucht nach den Meinen, die Aussicht von noch 6 Wochen in der Ferne ... Es klingt alles ein bisschen schwach. Nun, ja.
Ich bin entschlossen, die umtrampte Gegend und die restliche norwegisch-schwedische Strecke noch abzuschließen. Aber ich werde mir noch limits einer maximale Abwesenheitsdauer setzen: 8 Wochen, 6 Wochen, 10 Wochen? Auch würde ich gern ein bisschen früher diesen Abschnitt abschließen und nicht erst Ende November. Das Wetter war noch immer ok. Auch haben mich Neuschnee, nicht mal Eis auf den Steinen aus der Ruhe gebracht. Ganz zu Schweigen von Regen, der mich nicht gestört hat. Aber als ich im Rettungswagen ausgezogen wurde, waren alle meine Kleidungsstücke bis zur Haut nass (Schweiß und Regen). Und im Krankenhaus in Norwegen hat es noch 3 Tage gebraucht meinen Rucksack, das Zelt, die Schuhe zu trocknen. Vielleicht spielte das doch auch eine Rolle, bei der Entscheidung, die vermeintlich kürzeste Strecke zur nächsten Straße zu wählen.
17. Oktober: Das zu frühe Ende der Reise
Der Mann hatte einen Unfall. Er ist einen steilen Abhang runter gerutscht, hat sich dabei das Knie verletzt und musste gerettet werden. Gut zu wissen, dass sein Notfallequipment funktioniert. ---sowohl sein Navi mit Notfallknopf, als auch sein Notfallbiwak waren sehr hilfreich. Mein Lieblingsmensch wurde mit dem Helikopter vom Berg eingesammelt und zum Arzt gefahren. Über 2 Stunden dauerte die Rettung. Ich wurde während dessen über jeden Schritt gut informiert. Ohne seinen Biwaksack wäre er vom Hubschrauber aus nicht zu sehen gewesen, trotz leuchtend blauer Jacke. Beim ersten Arzt sah es so aus, als hätte er keine größere Verletzungen. Er wurde dann zum Röntgen in das 40 km weiter gelegene Krankenhaus gefahren. Nun er hat doch einen Knochenbruch. Wahrscheinlich wird es geschraubt und nach heutigen Stand soll er 2 Wochen in der Klinik bleiben.Und er? Ihm geht es gut. Er ist sehr froh, dass er so großes Glück gehabt hat. Der Hubschrauberflug war ein Erlebnis und er hat im Taxi zum Krankenhaus einen Elch gesehen. Einfach mitten auf der Straße stehend, seine Kamera hat den Sturz zwar überlebt, war aber nicht griffbereit. Gegen seine Schmerzen bekommt er etwas. Jetzt macht er Pläne für die Zeit, wenn er wieder zu Hause ist. Und überlegt, ob er auf dem Bildschirm im Krankenzimmer seine Fotos sortieren kann.
Ich freue mich sehr, dass ihm nichts schlimmeres passiert ist. Es ist ein beruhigendes Gefühl zu erleben, wie gut organisiert die Rettung läuft. Jetzt warte ich darauf, dass er nach Hause kommen kann.
11. Oktober: Pläne und Planänderungen
Regelmäßigen Handyempfang hat der Mann immer noch nicht. Aber ich bin auch viel unterwegs und schaffe es nicht immer zeitnah zu schreiben. Mein Lieblingsmensch klettert immer wieder auf Berge, mit der Hoffnung, dass er dort ein paar Worte mit seinen Lieben zu Hause wechseln kann. Nur kalt und windig ist es dort meistens, so dass er nicht lange sitzen und telefonieren kann. Es gab den ersten Schnee in Norwegen. 20 cm sagte er. Der Schnee war griffig und gut zu laufen, nur manchmal ist er in Schneewehen versunken. Etwas langsamer ging es vorwärts, anstrengend war es auch. Die Norweger sagen - es ist sehr früh für Schnee.Ihr erinnert euch, dass der E1 über den See geht? Das Fährboot hat schon Winterpause, die Einheimischen sagen, es gibt keinen Weg direkt drum herum. Auf gut Glück sollte er es nicht probieren, zu sumpfig ist die Gegend. Der Mann hat also die Route geändert und wird ab morgen Richtung Westen gehen, dann ist sein Plan entlang der E6 südlich zu gelangen, so dass er dann in Kleiva wieder auf den E1 stößt. Er muss so leider einige Etappen weg lassen. Das ist schade, die Landschaft ist immer noch toll. Auf der Karte sind keine Wege zu sehen, anders als über die Straße zu gehen, wäre riskant. Der Man will versuchen zu trampen, und freut sich, weil er am Supermarkt vorbei kommt und durch den Umweg vermutlich ein paar Nächte im Zelt ausspart.
Er wandert von Hütte zu Hütte und geniest es. Die Abende sind lang und es wird kalt, wenn man sich nicht bewegt - da bietet eine beheizbare Hütte mit Licht viel Komfort. Er hat ja einiges zu tun, wenn er nicht wandert: kochen, Wäsche waschen, spülen, Nähte ausbessern, Schuhe wachsen, Tagebuch schreiben. Er hat sogar ein Buch gefunden und liest oder hört Podcast mit seinem Handy. In den Hütten kommt dann noch dazu, dass er diese aufgeräumt hinterlassen soll, also die Feuerstelle ausfegt und aufräumt.
Das Material ermüdet. Bei seiner Kameratasche ist die Öse ausgerissen und musste genäht werden, sein Wanderstock hat sich in einer Felsspalte verkeilt und beim herausziehen verbogen. Seine Hose hat Brandlöcher, an seiner Jacke musste er stopfen. Kleidung hat er genug mit und hat noch Wärmereserven, falls es noch kälter wird.
30. September: Bergfeste, gleich mehrere
Endlich ist es so weit- wir hier zu Hause haben FERIEN! Der Mann macht ja immer Urlaub. Sein erstes Bergfest hatte er am 28.09.. Da hat er die Hälfte der Strecke geschafft und den Polarkreis gequert. Jetzt am Wochenende ist das zeitliche Bergfest. Ich rechne nicht aus, wann genau: Die Basis können die Hälfte der Wandertage sein, oder die Hälfte der Tage, die er nicht zu Hause ist...Ihr erinnert euch an die lange Anfahrt.Und sonst? Der Mann hat planmäßig Sulitjelma erreicht und konnte Einkaufen. Das ist jetzt schon wieder über eine Woche her. Gestern war er noch mal einkaufen. Sein Knie zwickt etwas, und so kam ihm der Pausentag gelegen und die E 6, an der er zum Laden trampen konnte. Hat wohl super geklappt, er musste nur wenige Minuten warten. Der Plan war weiter zu laufen, aber die Strecke bis zur nächste Straße war lang und Sonntags der Laden nicht auf. Also hat er schnell umgeplant mit der Konsequenz, dass er jetzt wieder mal zu viel mitschleppt. Also nicht zu viel zu Essen, sondern zu viel Gewicht für seinen Rücken. Gerade ist er auf der Nordlandsruta unterwegs. Einer der wenig bekannten Wanderwege durch Norwegen, immer in der Nähe von Schweden. Wunderschön ist es - sagt der Lieblingsmann! Aber auch mit wenig Infrastruktur direkt an der Strecke, so dass er viel Vorrat braucht. Andere Wanderer lassen sich Pakete an die Stecke schicken. Klappt aber auch nicht immer und ich stelle es mir sehr frustrierend vor, auf ein Paket zu warten, was nur vielleicht kommt.
Das Wetter ist gemischt, kein Wunder, ich habe je schon lange nicht mehr geschrieben. Er berichtet von Sturm und Frost und versucht in den Hütten zu schlafen. Dann wieder berichtet er: "Das Wetter ist wunderbar zum Wandern." Und von Nebel, der aus den Tälern emporsteigt.
Nordlichter hat er noch keine gesehen, entweder zu viel Licht oder zu viele Wolken. Irgend etwas hat immer nicht gepasst. Aber mit dem Elch hat es jetzt wohl geklappt und ich bin gespannt auf die Fotos. Es werden viele, der Mann sagt, er macht immer noch meistens 40 am Tag, 120 Tage * 40 = 4800. Ganz schön viele! Oder hab ich mich verrechnet? Wenn er Strom hat, sortiert er schon mal vor und löscht, was nicht gut oder doppelt ist.
19. September
Am Wochenende konnten wir mal in Ruhe telefonieren. Dem Mann geht es gut. Er hat die 50 km ohne Hütte gut geschafft. Für Nordlichter ist es zu hell und zu bewölkt. Vielleicht klappt es in ein paar Tagen, der Mond ist abnehmend. Als er Sonntag morgen anrief, war er schon auf den ersten Hügel geklettert ( >300 m höher) und konnte auf den See blicken. Heute ist er dann 30 km gelaufen, um zur nächsten Hütte zu kommen. Leider hat er keinen Empfang mehr, zu gerne würde ich fragen, warum er nicht wie geplant zeltet. Er schrieb Wetter gut, aber er muss sich trocknen? Nun, er wird es mir erzählen. Vielleicht dauert es bis Donnerstag, bis er im Dorf ist. Macht nichts, die Vorräte halten so lange. Manchmal gibt es in den Hütten Reste Anderer. So ist er an Butter gekommen und jeder der ihn kennt weiß, wie glücklich er über Fett ist. Ich habe hier die letzten Wochen damit verbracht, seine E-Mailadresse wieder neu anzulegen, die wurde durch den Umzug versehentlich gesperrt und nicht umgezogen. Manchmal kann er unterwegs Mails lesen, aber er kann keine beantworten. Nachts gibt es Frost, Pilz gibt es fast keine mehr. Dafür färben sich die Blätter und da wo Vegetation ist, ist diese rot. Er schwärmt immer noch über die Schönheit der Landschaft.Wir haben ausgerechnet, dass er bis Ende des Monates die über die Hälfte der Strecke ( >1100 km) geschafft hat. Dann ist auch Halbzeit der Wanderung. Nun ist mir aufgefallen, dass eine Etappe mit dem Schiff zurück gelegt werden soll. Da müssen wir wohl noch mal nachforschen, ob das Boot noch fährt, oder ob es einen Umweg bedeutet, wenn der See zu Fuß umrundet werden muss. Bis dahin sind es allerdings noch ein paar Wochen und genug Zeit es raus zu bekommen.
Fotos aus August
Ich versuche nochmal ein paar Fotos vom Sohn hochzuladen. Bin gespannt ob es klappt wie die Formatierung wird.16. September:Er geht und geht und geht
Nun der Streckenabschnitt ist davon geprägt, kein Handyempfang zu haben. Wir telefonieren also nicht. Glücklicherweise hat sein Navi nicht nur eine Notfallfunktion, sonder er kann per Satellit auch Nachrichten schicken. Ich weiß also, dass es ihm gut geht, dass er gut vorwärts kommt und bisher weder Nordlichter noch Elche gesehen hat. Heute müsste er auf der 50 km Etappe ohne Hütte sein, also wieder im Zelt nächtigen. Überhaupt schrieb er, wenn er jeden Tag 25 km schafft. 3 Mal im Zelt schläft und 3 Mal in einer Hütte, ist er am Mittwoch wieder in einem Ort mit Einkaufsmöglichkeit. Und vermutlich Handyempfang.Die Landschaft beschreibt er mit einen Superlativ nach dem Anderen. Er ist total begeistert, auch wenn das Laufen manchmal anstrengt. Geröllfelder muss er queren, feuchte Stellen, Flüsse. Vor ein paar Tagen hat er den höchsten Punkt im skandinavischen Wanderteil bestiegen. Gute scheint die Jahreszeit zu sein, die Flüsse sind gut passierbar und haben nicht zu viel Wasser. Mittlerweile ist es bei ihm früher dunkel als bei uns, die Tage werden schnell kürzer.
8. September
Heute hat der Mann mit mir geschimpft. Durch den Versuch das Foto hochzuladen habe ich viele Einstellungen verändert, so dass es nicht geklappt hat, den letzten Beitrag hochzuladen. Und der Fanclub hat sich schon gewundert, dass kein neuer Beitrag kommt. Atemberaubend - beschreibt der Mann seine letzten Tage. Er ist durch einen Nationalpark gewandert. In den Hütten hat er immer wieder die gleichen Menschen getroffen, so dass eine vertraute Atmosphäre entstanden ist und sich andere Gespräche ergeben haben. Jetzt wird es früher dunkel und der Mann hat die Gelegenheit Nordlichter zu sehen. Bis jetzt wollte er noch nicht bei Frost raus, aber die nächsten Tage wird es ihm sicher gelingen schöne Fotos zu machen.Fast 720 km hat er jetzt hinter sich. Heute hat er sich am Supermarkt mit neuen Lebensmitteln eingedeckt. Die nächsten 16 Tage wird er keine Gelegenheit finden einzukaufen. Vielleicht gibt es etwas in den Hütten, aber ob das Glutenfrei ist, muss bezweifelt werden. Überhaupt ist der Mann recht flexibel geworden, was seine Ernährung angeht. Letztens gab es glutenfreie Burger, aber die nicht vegan - Rentierfleisch ist aber sicherlich Regional.
2. September: Finnland
Es kommt mir ewig vor, dass ich etwas geschrieben habe, bei mir war viel los und der Empfang war oft schlecht, aber ich bringe euch gerne mal auf einen aktuellen Stand: Der Mann rennt jetzt geradezu, und ist jetzt schon über 500 km gewandert. Gestern alleine 30. Er bewegt sich "zwischen den Ländern", ist ein paar Tage durch Finnland gewandert und war im "3 Ländereck-" zwischen Finnland, Norwegen und Schweden. Auch die nächste Tage wird er in der Nähe der Grenze bleiben. In Finnland hat er sich sehr wohl gefühlt. Er sagt, die Finnen scheinen ihm sehr sicherheitsbewusst. Die Wege sind gut beschildert und wenn notwendig auch gesichert, und an der Hütten ist immer auch ein Hubschrauber Landeplatz. Überhaupt gibt es viele Hütten zum übernachten. Er trifft viele Wanderer, letztes Telefonat sprach er von über 20 an einem Tag, Menschen aus der ganzen Welt - Wohnhaft in Finnland. Es ergeben sich viele schöne Gespräche...Die Landschaft der letzten Tage war spektakulär schön. Er ist entlang eines Flusses gewandert, immer wieder mit tollen Wasserfällen. Ich Verfolge die Strecke auf der E1 Seite, und kann seine Faszination nachvollziehen, einige Fotos sind dort hochgeladen. Als Ergänzung zu seinem Essen findet er immer wieder Beeren und möchte sich jetzt im Pilzsammeln versuchen.
25. August: Die Technik
Nun, ich hätte natürlich auch das Foto auf den Server hochladen müssen, damit ihr es sehen könnt. Ich versuche es gleich noch mal... (Ganz schön kompliziert, das geht gar nicht mal eben schnell - oder hätte ich vorher nachgedacht, wäre ich drauf gekommen, dass auch der Ordner passen muss und einfaches Hochladen nicht reicht. Probieren geht über Studieren) Ansonsten ist der Sohn heute abgereist. Das Solarpanel hat er mitgenommen, die Powerbank da gelassen. Die Zeit des ALLEINE-WANDERN hat wieder begonnen. Gestern haben sich die Beiden noch einen Wohlfühl - Pausen- und Abschiedstag in Kautokaino gemacht. Mit Sauna, Essen gehen, Boot fahren....22. August
Der Sohn hat mir ein paar Handyfotos geschickt und es ist mir gelungen ein Foto hochzuladen - nur die Formatierung passt noch nicht. Sonst ist alles gut. In Masi hat der Einkaufsladen extra für die Beiden Sonntags aufgemacht, Glück, dass der Inhaber zu Hause war.20.August: Herausforderungen und Lösungen
Es ist schwierig für mich die Erlebnisse in Norwegen zusammen zu fassen. Der Handyempfang ist oft schlecht, das Erlebte kommt unstrukturiert und spät bei mir an. Wie war es denn jetzt, das Wetter? Stürmisch, regnerisch oder warm und sonnig? Irgendwie alles! Sie erzählen von Windböen, denen ihr Zelt gut stand gehalten hat, aber auch von Temperaturen über 20 Grad. Vom Solarmodul, was meistens nutzlos war, in den letzten Tagen dennoch geschafft hat alles aufzuladen. Es bleibt die Entscheidung zu treffen, ob es mit dem Sohn nach Hause fährt, in Erwartung des Herbstes mit den kurzen Tagen oder ob es weiter mit darf. Wie kann man Wetter und Sonneneinstrahlung in der Fremde voraussehen?Die Wanderer hatten die letzten Nächte viele Hütten zum Schlafen. Erst eine vom Wanderverein, der Mann ist Mitglied und hat daher einen Schlüssel. Dann eine Andere, die eine große Enttäuschung war. Überall war angekündigt, dass es dort Essen geben soll - gab es aber nicht. Weder gekocht, noch zu kaufen. Gut, dass die Beiden einen großen Vorrat haben. Schlecht für Wanderer, die fest damit rechnen dort etwas zu bekommen. Dafür hatten beide Hütten eine Sauna, die sie dann auch genutzt haben. Letzte Nacht hatten sie dann eine Hütte, von einem Norweger betrieben, der kein Englisch sprach. Es war etwas schwierig mit der Kommunikation. Thema war ein sehr großer Fluss, der gefurtet werden musste. Leider war nicht zu verstehen, ob es einen Umweg zu einer Brücke gegeben hätte. Glücklicherweise kamen dann Angler, die übersetzt haben und man einigte sich auf einen Transfer mit dem Anhänger und Trecker über das Wasser. Besser so, der Junge ist die letzten Tage auch ins Wasser gefallen.
Die Beiden schwärmen von schönen Landschaften. Unbekannten Tieren, schönen Fotos. Ein paar der Handybilder habe ich geschickt bekommen, die Landschaft erinnert mich an Island. Heidelbeeren, krüppelige Birkenwäldchen, Steine und Wasser...Leider kann ich keine Fotos hochladen. Nächsten Freitag wollen sie in Kautokeino sein. Dann geht es für den Sohn nach Hause. Und der Mann? Freud sich dann nach seinem Rhythmus zu Laufen und wird ein paar mehr Km am Tag schaffen.
15. August: Gelände und Wohnen
Viel Sumpf gibt es in Norwegen. Der Mann ist vor ein paar Tagen bis zur Hüfte im Morast eingesunken. Der Sohn hat geduldig gewartet, bis er sich wieder raus geschafft hat. Der Mann wollte es wissen, ob er eine solche Situation auch alleine bewältigen kann. Geschafft! Die Hose natürlich dreckig und stinkend und auch die Schuhe mussten im nächsten Bach baden. Trocken werden die Sachen nicht mehr. Sie haben nur unterschiedliche Feuchtigkeitsgrade. Das Wetter war die letzten Tage sehr stürmisch, auch nass und relativ kalt. Gestern war es dann wieder schön. Wirklich schlimm findet der Mann es aber nicht. Um einen guten Zeltplatz zu finden, verlassen sie den Weg, gehen weg von den sumpfigen Stellen und suchen Windschutz im Schatten von Hügeln.Zelten - ihr habe vielleicht auf den Fotos gesehen, welches Zelt der Mann mitschleppt. Es ist sehr leicht und wiegt nur wenig mehr als 1 kg, obwohl es ein zweiwandiges Zelt ist. Das geringe Gewicht hat es nur, weil es sehr klein ist, 1-2 Personen steht dran- an der breiten Stelle hat es nur 1,10 m. Dennoch schlafen sie zu zweit in ihm. Kuschelig! Das Gepäck bleibt draußen.
Gestern meinte er, die Landschaft war langweilig. Ich stelle mir vor, dass sie durch eine Ebene mit lauter Stein gehen, mit wenig Pflanzen - wirklich vorstellen kann ich es mir jedoch nicht. Der Handyempfang ist nicht überall gut, täglich telefonieren nicht möglich. Am Dienstag, wenn alles gut läuft, sind sie in einer Hütte und können trocken und beheizt schlafen.
11. August: Pause
Die Beiden sind auf einem Campingplatz und machen einen Pausetag um einkaufen gehen zu können. Der Mann schwärmt immer noch von der Landschaft. Die Wege sind oft nicht als Wege zu erkennen, aber gut markiert. Er ist dennoch froh, die Route auf dem Navi zu haben. Abkürzungen zu laufen hat sich nicht bewährt. Erfahrungsgemäß kommen dann Stellen die nicht gut zu gehen sind, Geröllhänge und so etwas. Es stimmt wohl nicht, dass sie keine Menschen treffen. Kaum habe ich das geschrieben, treffen sie laufend Jemanden. Zum Teil sehr sportliche, die auch über 40 km am Tag zurück legen. Nun die Sonne geht spät unter, es ist lange hell zum laufen.8. August: Furten
"Hier ist alles gut! Furten klappt, Wetter geht, Weg sehr feucht, Landschaft idyllisch aber karg, schlafen sehr gut.
Heute erste Hütte und ein halber Tag Pause. Morgen zweite Hütte. Übermorgen Supermarkt: Luxus wir haben genug Vorräte..."
Später erzählte er dann, dass er gestern beim Furten ins Wasser gefallen ist. Glücklicherweise ist er und sein Equipment heil geblieben. Ein großer Teil sogar trocken.
Er sagt, er habe viel falsch gemacht und daraus gelernt. Ich finde es ganz gut, dass sie zu zweit unterwegs sind. Von anderen Menschen, die bei Bedarf Hilfe holen könnten,
haben sie noch nicht berichtet. Die Beiden sind langsam unterwegs, jetzt haben sie erst etwa 58 km geschafft, wenig in 3,5 Tagen. Der Sohn muss sich erst einlaufen,
und sie sich erst ans Furten und das andere Geläuf gewöhnen. Der Mann erzählt von Birkenwäldern, sich Wind und Wetter angepasst,
krumm und niedrig. Und dann wieder Mondlandschaften. Feuerholz ist genug da, es gibt Reisig von Blaubeeren.
6. August: Es geht los- jetzt aber wirklich zu Fuß!
Sie sind losgelaufen! Gestern haben wir telefoniert und die beiden Wanderer sind wie geplant am Nordkap angekommen. Der Mann sagt es ist wunderschön.
Die Landschaft im Norden, die Fährfahrt, mit Halt in Tromsö. Der Blick auf die Fjorde. Er ist total begeistert. Dann hat er auch noch einen WAL gesehen!
Und diesmal ein besseres Foto gemacht, als von dem Elch, den wir nicht erkennen konnten (weshalb das Foto auch nicht hochgeladen ist).
Schon alleine die Hinreise lohnt sich, sagt der Mann. Und auch die lange Fahrt im Zug nach Narvik war ok. Er im Liegewagen, mit Unterhaltung, sein Sohn im Sitzwagen, konnte auch schlafen.
In Harstad haben sie dann ihr Tarp an der Kirche aufgestellt und geschlafen.
Das Nordkap fanden sie auch sehr schön, aber sehr für Touristen ausgebaut. Viel zu Entdecken, aber auch vieles wo Eintritt gefordert ist. Die erste Etappe sind sie
dann schon gewandert. 12 km zum einlaufen. Einen Sami haben sie getroffen und Rentiere. Übernachtung auf dem Zeltplatz. Heute Abend wollen die Beiden am Tunnel sein, davor oder danach.
Sie hoffen durch den 7 km langen, dunklen und stickigen Tunnel trampen zu können, heute noch oder Morgen.
Die Essensfrage will sich der Mann doch nicht stellen. Er hat in Harstad nochmal seine Vorräte gefüllt und isst wann immer es etwas gibt.
Mindestens alle 10 Tage hat er die Möglichkeit seinen Rucksack aufzufüllen
2. August: Es geht los- die Anreise
Die gut 4 Wochen die der Mann hier war, vergingen wie im Flug. Jetzt ist er wieder unterwegs. Noch nicht zu Fuß, die Anreise zum Nordkap dauert.
Montag gegen 18:00 Uhr ist er in Köln los gefahren. 1. Umstieg Hamburg, dann der 2. heute Morgen in Kopenhagen, später der 3. in Stockholm.
Jetzt sitzt er im Nachtzug nach Narvik - Ankunft dort Morgen (Mittwoch!)) Mittag.
Kurze Zwischenreise zum Fährableger nach Harstadt, und dann geht es am Donnerstag mit dem Schiff die Fjorde entlang bis zum Nordkap.
Länger als 24 Stunden sind sie auf dem Wasser unterwegs. Sie! Er hat seinen Sohn dabei- und ist die ersten 3 Wochen nicht alleine. Von der Fähre aus, müssen sie dann doch noch ein
kleines Stück Bus fahren - Also Montagsabend los und Freitag im Laufe des Tages am Nordkap - Eine ganz schöne Strecke, und wenn alles gut geht, wird er
Ende des Jahres den größten Teil der Strecke zurück gewandert sein. Er genießt es aus dem Fenster zu schauen und die Landschaften passieren zu lassen,
die er schon erwandert hat.
Er hatte sich viel vorgenommen, aber nicht alles geschafft. Ein Auswahl der
Loben muss ich sowohl den Hersteller seiner Wanderschuhe, die haben innerhalb von 2 Wochen die Sohlen der Schuhe erneuert, als auch den Hersteller seines Navis. Es wurde unkompliziert und rechtzeitig durch ein Neues ausgetauscht, so dass ich jetzt zuversichtlich bin, dass es funktioniert und er den Weg findet. Natürlich hat er viel zu schweres Gepäck dabei, obwohl er wenig Zusätzliches mit genommen hat, und alles davon gut brauchen kann. Klar Kamera und Solarpanel, braucht man vielleicht nicht, er mag sie dennoch mitnehmen. Essen hat er, wenn man mich fragt, zu wenig mit. Oder das Falsche - was nutzt es viele kg Nüsse zu essen, wenn der Magen sich trotzdem leer anfühlt? Ich bin gespannt auf seine Erfahrungen. Ich denke wir werden diese Reise nicht ganz so viel telefonieren, ich versuche auch trotzdem auf dem Laufenden zu halten. Die Daheimgebliebene!
Vier Monate von Sommer bis Wintereinbruch
Nun habe ich noch mal nachgerechnet: Norwegen ist fast so groß wie Deutschland, aber doppelt so lang. Ich werde ca. 2300km in Norwegen, Finnland und Schweden zurücklegen.
Ich bin etwa 120 Tage unterwegs. Es wird kühl bis kalt über ungemütlich, bis hinzu windig, vielleicht stürmisch, regnerisch und auch verschneit.
Meine Sachen sind ein bisschen wärmer als in Schweden, wo ich zum Anfang eine Nacht gefroren habe. Weil ich immer noch ein lausiger Feuermacher bin, habe ich etwas mehr
Feueranzünder mit. Mein Proviant ist besser verstanden. Nüsse haben eine höhere Energiedichte und einen höheren Eiweißanteil. Mein Optimierungstool ergab, daß ich von
geschickt zusammengestellten 2.5 kg Essen 5 Tage leben kann. Auch habe ich diesmal Fett und eine kleine Tütensuppenreserve mit. Ich hoffe aber vor allem, mit dem Essensthema
diesmal etwas entspannter umgehen zu können. Es gibt viele Hütten mit Essensreserven und alle 5 Tage eine Einkaufsmöglichkeit.
Diesmal erwarte ich die größere Herausforderung im Bezwingen der Landschaft. Angefangen beim mit großem Respekt erwarteten "Flüsse furten": also das Durchschreiten kalten Flußwassers.
Je nach Wetterlage mit mehr oder weniger Strömung, bei mehr oder weniger hohem Wasserstand.
Auch die Geröllfelder werden anders zu begehen sein als die höchstens verwurzelten - im Rückblick gemütlichen - schwedischen Waldwanderwege.
Als wäre das nicht Herausforderung genug wird es mehr Steigungen geben, weil Norwegen an sich mehr Gebirge hat. Zwar werde ich nicht das "Dach Skandinaviens" mit seinen etwa 2500m
hohen Bergen erreichen, aber über 1000m Höhe werde ich diesmal gelangen. Daher werde ich auch immer mal wieder die Baumgrenze übertreten und ungeschützt den Wind und den Regen
erleben.
Bei allem Ungemach werde ich aber eine fantastische, wunderschöne Landschaft erleben. Das wird spätestens auf dem Schiff beginnen. Ich werde in Fjorde hineinblicken und die
ersten Wasserfälle, die sich über am Ufer empor hebende Felsen hinabstürzen, bestaunen können. Sowieso bezeichne ich mich immer wieder als Winterwanderer: ich mag das kühlere Wetter mehr, als die Wärme oder Hitze.
Meine Ausrüstung ist dafür geschaffen. Wenn ich zurückdenke, wie wir in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewandert sind, so bin ich im Vergleich dazu ja eher
mit einem Raumanzug ausgestattet: 3-lagige Regenjacke und -hose, darunter viel Merinowolle, wirklich gute Schuhe und dazu noch die Wanderstöcke.
Morgen beginnt nun die Reise. Die Anreise ist ein Abenteuer für sich. Ich werde mit dem Zug in 2 Tagen bis Narvik reisen. Von dort gibt es einen Bus zum Anleger der Hurtigruten in Harstad.
Dort steige ich auf die MS Havila Capella und reise in einer Nacht und einem Tag nach Honnigsvåg. Also schon bei Ankunft habe ich 3 kleine norwegische Städte
kennengelernt und einen klitzekleinen Blick auf die Vesteralen erhascht.
Dann geht es durch die Finnmark, Nordkalottleden, Tromsø, Nordland, Børgefjell, Trøndelag, Hedmark und Søg.
Menschen werde ich wahrscheinlich nicht so viele treffen. Aber es soll Rentiere geben, Bären, Wölfe und den Vielfraß auch.
Die 3 guten Reisemonate für Norwegen sind übrigens Juni, Juli und August. Aber Juli und August sind aufgrund der Mücken nicht wirklich zu empfehlen. (Daher habe ich
ein Moskitonetz über dem Hut.) Der September soll den goldenen Herbst im Süden mit sich bringen. Der Oktober dagegen schon sehr unbeständiges Wetter ...
Bin ich auf alles vorbereitet? Nein, nicht auf alles. Aber ich habe Improvisationsfähigkeiten und Mut zur Herausforderung. Außerdem habe ich aber auch genügend Respekt und
Ehrlichkeit, mir einzugestehen, wenn es nicht mehr geht.