Gepäck
Achtzehnkommafünf Kilogramm
Auf das Meiste vorbereitet
Wenn man einen so langen Wanderweg läuft und auch - z.B. in Nordnorwegen - nicht die Aussicht auf regelmäßige Unterkünfte, Einkaufsgelegenheiten,
medizinische Versorgung, ja eigentlich auf Menschen hat, dann sollte man sich etwas einfallen lassen. In meinem Rucksack ist ein Zelt. Nicht zu
klein, dass der Rucksack, wenn es aufgebaut ist, mit reinpasst und nicht zu groß, damit das Gesamtgewicht erträglich bleibt.
Da ich regelmäßig etwas zu Essen brauche habe ich etwa 3 kg Trockennahrung mit. Wasser gibt es in Skandinavien genug, aber einen Behälter habe ich
trotzdem dabei, damit ich nicht immer erst den "Herd" anschmeißen muss. Will man Wasser kochen, benötigt man einen Kocher oder ein offenes Feuer
oder interessante Behälter, in denen eine chemische, exotherme Reaktion abläuft, die Dein Essen erwärmt. Kann man drüber reden.
Ich habe ein bisschen Stromversorgung dabei: mein Herd kann über das Peltierelement elektrischen Strom erzeugen und mein Solarpaneel auch.
Dazu später sicher mehr.
Den Strom brauche ich für das Handy, ein Navi, eine Kamera und vielleicht auch, um die Akkus von der Stirnlampe wieder aufzuladen.
Natürlich habe ich eine kleine Sani-Tasche mit. Mir wurde in einem Erste Hilfe-Kurs für Wanderer erklärt, die Sanitätsutensilien passen in einen 1
Liter zip-Beutel. Ich bin noch nicht sicher, ob das stimmt.
Und was ist nicht drin?
Es gibt Outdoorer, die sagen, dass das Taschenmesser gar nicht so wichtig ist. Ich habe eins. Ein Beil habe ich nicht - obwohl mein Öfchen Holz braucht.
Eine Säge auch nicht. Eine Nagelfeile auch nicht. Nicht mal ein Rasierer. ("Der sieht ja wieder aus")
Bei der Seife gilt: "Eine für Vieles". Die Amerikaner haben eine, mit der kann man sich sogar die Zähne putzen ... Das mache ich nicht.
Wenn man sich mal waschen will, benötigt man außerdem ein Handtuch. Selbst über die Zahnpasta kann man einen Absatz schreiben.
Ihr seht, es gibt viel zu besprechen.
Elektrizität
Erzeugung und Verbraucher
Ich habe einige Verbraucher dabei: ein Handy, ein Navi, eine Kamera, eine Stirnlampe, ein Feuerzeug.
Das Handy habe ich für den Notfall. Da sind auch meine digitalen Fahrkarten drauf. Tagsüber ist es aus. Aber es sind regelmäßige Telefonate mit den Liebsten
vereinbart.
Das Navigationssystem ist unabhängig vom Handy. Mein Handy ist ein älteres Modell, daher kann es nicht sicher und schnell Positionen ermitteln und Routen
anzeigen. Auf dem Navi sind auch alle meine Routen. Ich habe das mit der 16 Gbyte Speicherkarte gekauft. Alle Routen des ganzen Jahres sind aber keine
16 MegaByte. Ein bisschen Reserve kann ja nicht schaden. In Deutschland brauchte ich das Navi immer dann, wenn ich am Startpunkt - zum Beispiel einen
Bahnhof - die Route finden wollte. Dabei geht es um 2 Dinge: den Startpunkt des Weges finden, also die kürzeste Entfernung zwischen Bahnhof und E1.
Und zweitens, genauso wichtig, ist zu entscheiden, welches die richtige Richtung ist. Meist war es ja so, dass man den Startpunkt noch nie gesehen hat.
Oder man hat den Weg beim letzten Mal im Dunkeln, erschöpft oder unter anderweitig anderen Bedingungen das letzte Mal gesehen. Manchmal ist es auch
einfach lange her, dass man den Einstiegspunkt das letzte Mal gesehen hat.
Ich mag es, die Erinnerungen mitzunehmen. Lange Zeit habe ich mit meinem Handy Fotos gemacht. Das geht, aber es gibt kein Bokeh, keine Tiefenschärfe,
kein Einfluss auf die Belichtungszeit, die Blende und auch nicht die Möglichkeit, mal ein anderes Objektiv anzuschrauben. Daher habe ich eine Kamera
gesucht, die robust, also spritzwassergeschützt und stoßfest, tragbar (<800 g) ist und ein Zoomobjektiv, Duales Vibrationsdämpfung (also auf dem Sensor und
im Objektiv) hat und dabei noch bezahlbar bleibt. Ihr könnt anhand der neuen Fotos (ab Schweiz) entscheiden, ob die Fotos besser als die aus Deutschland sind.
Wobei die meisten von Euch sicher wissen: Das Foto macht nicht die Kamera, sondern der Mensch hinter der Kamera.
Die Stirnlampe enthält 3 AAA-Zellen. Im Herbst wird es schon wichtig sein, auch im Dunkeln noch Essen kochen zu können, den Weg zu finden, ein Zelt
aufbauen zu können. Die Zeit, in der es ausreichend Tageslicht gibt wird immer kürzer. Andererseits habe ich mir für jeden Tag eine mäßige Strecke von etwa
20 km zu wandern vor genommen. Da werde ich auf künstliches Licht angewiesen sein. Zur Not hat mein Navi noch eine Taschenlampe.
Ich muss regelmäßig Wasser kochen. Ich möchte gern 2 Dinge gleichzeitig tun, oder so oft es geht Dinge für die Reise auswählen, die mehrere Funktionen
erfüllen. Mein Kocher kann einfaches Holz verbrennen (also kein Brennstoff muss mitgetragen werden) und dabei Strom erzeugen. Die Ausbeute ist nicht riesig:
mein Handy wieder aufzuladen dauert etwa 4 Stunden. Aber es ist besser als nichts. Ob ich in Schweden und Norwegen oft Hütten finden werde, die Strom aus
der Steckdose bereitstellen ist ungewiss.
Um das Feuer aber auch sicher anzünden zu können, nutze ich ein elektrisches, wiederaufladbares Feuerzeug. Es ist leichter als ein Benzinfeuerzeug und kann
nass werden.
Zur weiteren Versorgung nutze ich ein Solarpanel. Es ist so groß wie ein DIN A 3 Blatt und kann am Rucksack befestigt werden. Ich spare mir den zusätzlichen
Aku und stecke immer ein Gerät, dass Ladung braucht an das Solarpanel. In Kombination mit dem Ofen kann ich somit zu jeder Tages und Nachtzeit Strom erzeugen.
Ob das reicht? Wir werden sehen.
Reinigung
Menschen und Material
Sein wir ehrlich: bei Kälte hat draußen keiner richtig Lust aufs Waschen. Im Fluss ist das Wasser immer kalt. Außerdem ist der Wind viel zu frisch,
um auch noch das wärmende Oberteil abzulegen. Auch Wäsche im kalten Wasser zu waschen, ist keine angenehme Sache: Da das Wasser zu kalt ist,
um die Seife mit dem Dreck schnell wieder aus dem Stoff zu ziehen, besteht Aussicht auf langanhaltend kalte Hände im kalten Wasser beim Wäsche waschen.
So zieht man schnell das Fazit: Ich rieche ein bisschen, die Kleidung riecht ein wenig, aber ich bin ja draußen und das geht schon noch.
Manchmal fasst man aber doch den Mut oder kann einfach das ungewaschene Gefühl nicht mehr ertragen. Und schreitet man früh zum See oder klaren
Bach, macht wie Old Shatterhand den Oberkörper frei und wäscht sich wenigstens kurz aber doch unter männlichem Schnauben. Dann gibt es ein tolles Gefühl.
Ein bisschen.
Liebe Damen: ich weiß, dass Ihr viel größere Verehrerinnen der Hygiene seid als wir, daher lasst mich mal so schreiben.
Manchmal geht es aber wirklich nicht anders und es müssen Sachen gewaschen werden. Und wenn schon die Motivation nicht sehr hoch ist, sollten doch wenigstens
die Utensilien praktisch und nützlich sein.
Ich habe schon woanders erwähnt, dass ich Dinge mitzunehmen bevorzuge, die für mehrere Dinge verwendbar sind.
Nun, meine Seife ist für Wäsche, Haare, Geschirr und Körper geeignet. Ich habe nun ein recht neues Produkt, bei dem sich die Seife in einem Gefäß befindet und
durch Drehbewegungen geraspelt wird und in Flocken in die Hände fällt. Das heißt, dass die Seife beim Waschen keinen Kontakt mit Schmutz oder Wasser hat.
So weicht die Selbe nicht auf, oder - wie früher beim Camping - fällt nicht dauernd in den Dreck und wird davon mehr und mehr beklebt.
Daher habe ich ein praktisches Behältnis, um 4 Aufgaben zu erfüllen. Das klingt für mich optimal. Wie zufrieden ich im Härtetest damit bin, sage ich nach
Schweden, spätestens aber nach Norwegen.
Wie schon gesagt, gibt es ein amerikanisches Produkt: eine flüssige Seife, die all das kann, was "meine" Seife kann, aber zusätzlich kann man sich damit noch
die Zähne putzen. Ich habe das ausprobiert und vermutlich bin ich kein Michelin-Sterne-fähiger Gourmet: für mich war der Seifengeschmack zu ertragen.
Aber diese Seife ist, weil sie flüssig und nicht ganz so ergiebig ist, schwerer, als ich tragen will. Es bot sich bisher an, diese Seife auf 2-3 Wochentripps
mitzunehmen. Aber bei einer 2-3 Monate andauernden Tour ist das nicht geeignet. Außerdem geht es mir persönlich so, dass meine Zähne sehr empfindlich sind und
ich nur ausgewählte Zahnpasta gut vertrage.